Montag, 6. April 2026

 Josephbrotholen

Wenn dich die Ratscherbuben morgens aus dem Schlaf holen, dann steht Ostern vor der Tür, die Zeit des Nester-Versteckens und Eier-Peckens.

Neben den obligaten bunten Eiern gehört für mich zu einer gescheiten Osterjause auch das Biosauerteigbrot der Joseph-Brot-Manufaktur. Was liegt also näher für einen bewegungsaffinen Menschen, als dieses im Rahmen einer feinen Radtour direkt beim Hersteller in Burgschleinitz zu holen.

 Es ist die beste Zeit im Wald, die Primeln blühen wie verrückt, der Rest eine Farbkomposition aus zartem Frühlingsgrün mit Veilchenblau.

Auf meinem Weg hinauf zur Waldviertler Brotfabrik warten ein paar feine Trailabschnitte fürs persönliche Mountainbiker-Seelenheil.

Erst das "Köhlbergkriterium", Ziersdorfs Hausberg von Ost nach West überquerend, den steilen Weg beim Kohlemeiler hinauf, den lässigen Downhill von der Aussicht in Richtung Hollenstein hinunter.

Dann ein Zwischenspiel durch die weiten Felder des Schmidatales, bei mühsamem Gegenwind und kurzer Aprilwetter-Regenschauer-Einlage. 

Mit Erreichen des Limberger Waldes ist die Welt wie verwandelt. Warme Frühlingssonne strömt über die einsame Lichtung der Heidenstatt, und der märchenhafte Pfad durch den Gänsgraben inspiriert mich einmal mehr zu einer exzessiven Fotosession. 



Ab Burgschleinitz mit deutlichem Mehrgewicht unterwegs, der Bikerucksack zum Platzen voll mit Josephbrot, dazu im Mund ein Motivations-Cookie aus der Mehlspeisvitrine.

Im epischen Schlosswald von Maissau ist eine gewisse Ortskenntnis von Vorteil um die besten Wegerl zu finden. Ein guter Anfang wäre, den Schildern des Waldlehrpfades zu folgen.

Zuletzt via Ravelsbach hinab ins heimatliche Schmidatal. 

Endbilanz von einer Runde "Schnell mal Brot holen": 3 Stunden lang eine richtig gute Zeit am Rad mit 43km und 650hm. 



Mittwoch, 21. Januar 2026

 Winterspiele

21.12.2025 Muckenkogel

26.12.2025 Schmidatal bei Zemling


30.12.2025 Schanzriedel, Kremstal


6.1.2026 Kogelberg bei Großweikersdorf


11.1.2026 Hennesteck, Annaberg


18.1.2026 Gugelwald bei Kiblitz


24.1.2026 Gemeindealpe



Montag, 10. November 2025

Herbstgold am Heiligenstein

Wer öfter von Hollabrunn Richtung Krems unterwegs ist, kennt jenen markanten, von Weinterrassen durchzogenen, oben Eichen- und Föhrenbewaldeten und Ausichtsturmgekrönten Bergrücken über Langenlois, den Heiligenstein. Als Rieslinglage weltbekannt, als Mountainbikeziel zumindest weitum bekannt, weil dort jedes Jahr im März die Kamptal Classic Trophy stattfindet, eines der größten Mountainbike-Cross Country Rennen Österreichs mit internationaler Beteiligung.

Für mich als Bike-Sehnsuchtsziel ein wahrer Evergreen, weil von der Kamptalwarte ein höchst aufregender Naturtrail bergab führt, der mich immer wieder anzieht (auch wenn er mich manchmal überfordert), weil mit der legendären "Selchkammer" eine grenzwertig fahrbare Auffahrt wartet, weil die Aussicht ins Kamp- und Donautal fantastisch, die angrenzenden Weinorte an Idylle kaum zu überbieten, die ganze Gegend einfach faszinierend ist...

Morgens noch im Nebel, wurde es einer dieser strahlenden Herbsttage, an welchen der Wald golden leuchtet und es ein Privileg ist, draußen zu sein.



Montag, 22. September 2025

 Muckenkogel

Der 1248m hohe Hausberg von Lilienfeld gilt als "Wiege des Alpinen Skisports", wo der  legendäre Skipionier Matthias Zdarsky 1905 den ersten Torlauf der Skigeschichte ausrichtete. Heute ist der Skibetrieb längst Geschichte, die alten Pisten gehören im Winter den Skitourengehern, aber immerhin fährt dort im Sommer der letzte Einser-Sessellift Niederösterreichs hinauf.

Gleich drei bewirtschaftete Hütten gibt es am Muckenkogel: die Lilienfelder Hütte, die Klosteralmhütte, und die Traisner Hütte, rund einen Kilometer südlich des Muckenkogelgipfels, auf der Hinteralm gelegen, wo mit 1311m der höchste erreichbare Punkt über Lilienfeld mit fantastischer Fernsicht in die Ostalpen aufwartet.

Lilienfelder Hütte im Winter

Seit wenigen Jahren darf der Muckenkogel offiziell mit dem Mountainbike befahren werden. Die Route führt vom Stift Lilienfeld über das Almgasthaus Billensteiner und das grüne Tor zur Lilienfelder Hütte, von dort über herrlich aussichtsreiche Almen zur Bergstation des Einserliftes und weiter, vorbei am weithin sichtbaren Richtfunkturm, bis man nach rund 900 Höhenmetern die Hinteralm erreicht.

Die besondere Attraktion für Mountainbiker, erst letztes Jahr fertiggestellt, ist der Mucki Trail, ein Downhilltrail mit beinahe 6 km Länge, der in verschiedenen Abschnitten von der Lift-Bergstation ausgehend bis knapp vor Lilienfeld führt. 

Seit seiner Eröffnung 2024 steht dieser Trail auf meiner Wunschliste und ist Grund genug, endlich, an einem sonnigen Septembertag, die Reise ins Mostviertel anzutreten. Es ist mein erster Sommerausflug zum Muckenkogel, den ich bislang immer nur im Winter auf Skitour besuchte.

Kurz gesagt, es hat sich voll gelohnt. Schon die Auffahrt ist ein großartiges Bergerlebnis. Nach rund einer Fahrstunde, bei der Bergstation angelangt, kann ich nicht anders und biege gleich einmal in den oberen Teil des Muckitrails ab, cruise über die Almböden zur Lilienfelder Hütte, um nach neuerlicher Auffahrt tatsächlich bis zum höchsten Punkt zu gelangen. 

Traisnerhüttenterrassenabstecher, die alpinen Klassiker Radler und Kaspressknödelsuppn, mit Inklusivweitblick zu Schneeberg, Rax, Ötscher und in die Hochschwabberge. Nette Plauderei am Hüttentisch mit einem Zufalls-Mountainbikekollegen.

Dann, endlich, die lang ersehnte Abfahrt am kompletten Muckitrail:

Der oberste Abschnitt, der kurvenreiche "Almtrail", nützt die flachen, wunderschönen Almwiesen, ideal zum Einfahren und Panorama genießen. 

Über eine kleine Holzbrücke erreicht man Abschnitt 2, die "Gschwendt", eine verspielte Waldstrecke mit Wurzeln, Anliegern und bereits etwas anspruchsvoller als der oberste Abschnitt. 

Wer sich dort wohl fühlt, kann ruhigen Gewissens die dritte Stufe angehen: die "Sutte". Einfahrt durch ein Holzgatter direkt unter der Lilienfelder Hütte, erst flowig über offenes Gelände, dann durch den Wald, wo steilere Passagen und engere Kurven warten. 

Über eine kurze Auffahrt kommt man zu Nummer 4, dem "Karlstein" Abschnitt. Einige technisch herausfordernde Steilpassagen im dichten Wald warten am schwersten Teil des Muckitrails.

Nach Überqueren des Skiweges kommt man zum "Stich" mit seiner kurvigen und abwechslungsreichen Streckenführung. Nahtlos geht es über in den sechsten und letzten Abschnitt "Glatzwiese", der flowig und mit weiten Kurven durch den Wald führt.

Fein ist, dass schwierigere Abschnitte problemlos am Skiweg umfahren werden können, wodurch sich der Muckitrail ideal an das Eigenkönnen anpassen lässt. Besonders hat mich die sanfte, naturnahe Bauweise und die beachtliche Gesamtlänge des Trails beeindruckt.

 Wirklich schön dass ein derart gelungenes Bergsportangebot entstehen durfte. Wir als Konsumenten können es nur dankbar nutzen und ruhig ein wenig Geld dort lassen, damit die Region auch was davon hat...



Dienstag, 24. Juni 2025

 Kampabwärts

Der Kamp hat seinen Ursprung zwar jenseits der Landesgrenze im Mühlviertel, auf seinem 153 km langen Weg durchs Waldviertel jedoch ist er gleichsam Lebensader für den hohen Norden Niederösterreichs.

Unser Plan war, diesem Fluss per Rad ein gutes Stück zu folgen und die unvergleichliche Natur an seinen Ufern als "sanfte Touristen" zu erfahren.

Schon die Anreise per Schmalspurbahn über den Waldviertler Semmering nach Gross Gerungs war ein weltentrücktes Erlebnis für sich. 

Von Gross Gerungs folgen wir ein gutes Stück der zweiten Etappe des "Waldviertler Granittrails" und zweigen dann ab um in das Skidorf Kirchbach zu gelangen. Wir erreichen erstmals den Oberlauf des großen Kamp, fahren entlang der MTB "Höllmühl-Strecke" flussaufwärts und wechseln an den kleinen Kamp, dessen unberührtes Flusstal tief unter der Burg Rapottenstein vorbei führt.

In Ritterkamp vereinen sich die beiden Flüsse. Wir folgen den schlingenreichen Kampmäandern bis Roithen und tauchen ein ins stille, unverbaute Kamptal oberhalb von Zwettl. Magische Landschaft, das Rauschen des Flusses, wuchtige, moosbewachsene Granitblöcke, der Harzduft des Nadelwaldes.

Highlight ist die einsam am Kamp gelegene Hundertwasser-Mühle, die der Künstler 34 Jahre lang besaß und immer wieder aufsuchte, um zu malen, und, so sagt die Legende, sich nackt wie Gott ihn schuf auf einem Felsen im Kamp zu sonnen.


An der Braustadt Zwettl können wir nicht vorbei, ohne Rast am Hauptplatz zu machen und das namensgleiche Hopfengetränk zu verkosten.

Nach Zwettl beginnt der Abschnitt der Kamptalstauseen, das Waldviertler Fjordland. Wir nehmen den Radweg zum Stift Zwettl, zweigen bei Mittereith ab zum "Deckerspitz", für einen Badestop im Ottensteiner Stausee, und erreichen schließlich Friedersbach, wo wir uns im "Faulenzerhotel" für eine Nacht verwöhnen lassen.

Frühmorgens überqueren wir die Stauseebrücke bei Peygarten, wechseln bergab auf den Uferweg, und nehmen ein Bad in der Morgensonne, von einem idyllischen Granitfelsen hoch über dem See aus.

Über die Staumauer erreichen wir Schloss Ottenstein und die Teichlandschaft von Waldreichs. Die vollkommene Idylle wird einzig unterbrochen vom Donnern der Geschützübungen im nahen Truppenübungsplatz Allentsteig.

Das mittlere Kamptal zwischen Wegscheid und Rosenburg mit seiner ursprünglichen Fluss-, Wald- und Felslandschaft hab ich vor vielen Jahren durchquert, eine abenteuerliche und faszinierende, aber kaum radtaugliche Unternehmung, weshalb wir uns diesmal nördlich des Kamptals halten und entlang des "KTM Radweges" über Altpölla, Schloss Greillenstein nach Altenburg fahren.

Durchs Taffatal erreichen wir Horn, pausieren in einem gemütlichen Gastgarten und durchqueren die Wälder hinauf nach Sigmundsherberg, von wo uns die Franz Josefs Bahn die Heimreise ermöglicht.

Unsere ursprüngliche Idee, am dritten Radtag dem unteren Kamptal zu folgen und bis vor unsere Haustür ins Weinviertel zu radeln, mussten wir verwerfen, weil daheim die Heuernte wartet. 

Aber, frei nach dem rosaroten Panther, wir kommen wieder, keine Frage...



Montag, 16. Juni 2025

Burgenlandtrails

Ich persönlich hab mit dem Burgenland so meine Vorurteile.

Was treibt mich in jenes Bundesland, das legendär für den größten Steppensee Österreichs ist und somit außer flach nur flach.

So dachte ich viele Jahre, solange bis ein Freund mich einlud, seine Heimat rund um Lockenhaus im Südburgenland zu besuchen, und solange bis die Kunde über den Geschriebenstein als richtig guter Mountainbike-Trail-Berg an mein Ohr drang.

Die Eckdaten:

Der Geschriebenstein an der Grenze zu Ungarn ist mit 884m der höchste Berg des Burgenlands und der östlichste Ausläufer der Alpen. Lockenhaus und Rechnitz zu seinen Füßen zählen zur "Buckligen Welt", jenem Hügelland im Dreiländereck Niederösterreich/Burgenland/Steiermark, dessen Topographie angeblich 1000 Hügel aufweist. Soviel zu meinen Vorurteilen...

Schon länger eine gute Gegend zum Bergradeln -Stichwort: "Bike the Bugles"- hat man hier eine Menge Geld und eine Menge Schaufeln in die Hand genommen, um mit den "Burgenlandtrails" ein zukunftsweisendes Angebot für Mountainbiker zu schaffen, wovon -weiteres Stichwort: "touristische Wertschöpfung"- die ganze Region profitiert.

Das Resultat sind 40 km Singletrails, die, mit viel Hingabe und naturnah gebaut, durch die Waldflanken des Geschriebensteins führen, wirklich flowigen Fahrspaß bieten und sich bestens für einen ausgedehnten Biketag oder auch Bike-Kurzurlaub eignen.

Wir starteten unsere Erkundungstour am Burgsee Lockenhaus und erklommen den Berg über die Paulusbrunnen- und Geschriebenstein-Nord Strecke. Es sind am Stück etwa 600 Höhenmeter zu bewältigen, ehe man vor dem Aussichtssturm am Gipfel steht und in die ungarische Tiefebene schaut. 

Direkt vom höchsten Punkt starten wir in den "Headtrail" und biegen dann in den "Batthianytrail" ein. 8km Abfahrtsvergnügen durch die pannonischen Wälder, ehe wir uns am Badesee von Rechnitz einbremsen.

Am "Geschriebenstein-Uphill Trail" geht es wieder den Berg hinauf und dann neuerlich downhill nach Rechnitz, weil auch der "Rechnitz Trail" unter die Stollenreifen genommen werden will. 

Dieser Trail gefiel mir besonders gut, Fahrspaß pur über eine Waldachterbahn, alte Hohlwege und Canyons über- und durchquerend.

Die bereits dritte Auffahrt zum Geschriebenstein hat sich dann schon etwas gezogen, wobei der obere Teil mit seinen Singletrailabschnitten wirklich abwechslungsreich zu fahren ist.

Ein letztes Mal passieren wir eines jener hölzernen Eingangsportale zum Abfahrtsrausch und kommen am "Esterhazytrail", mit knapp 9 Kilometern der längste Burgenlandtrail, wieder zurück ins wildromantische Lockenhaus, wo sich nach über 50km und 1650 Höhenmetern mehrere sehr nette Locations zum verdienten Apres Bike anboten.

Ich kann nur sagen, der Tag war die Reise wert ins ferne Burgenland.