Waldviertelsommer
Ein Rekordsommer wie dieser, mit seinen weitreichenden Auswirkungen auf Klima und Landwirtschaft, hat mittlerweile auch starken Einfluss auf das persönliche (Freizeit)Verhalten.
Bei 40 Grad Außentemperatur macht es einfach keinen Spaß mehr, rauszugehen.
Tagelange Radausflüge, Wandern, Klettern, Outdoorsport wie früher, war diesen Sommer kaum, und wenn dann nur frühmorgens oder spätabends, zielführend.
Noch ein Glück, dass ich in Reichweite des Waldviertels lebe, dem hohen Norden Österreichs, wo kanadisch anmutende Seen und Wälder warten und die Temperaturen immer zwei, drei Grade niedriger sind als unten im Weinviertelflachland.
Allererster Sommerspot für mich ist der Ottensteiner Stausee, der größte der Kamptalseen. In seinem Zentrum, rund um Seerestaurant, Staumauer und Ruine Lichtenfels zwar schon recht touristisch, aber aufgrund seiner beindruckenden Größe noch immer genügend einsame Plätze bietend, wo auch Nacktbaden kein Problem ist.
Mit dem Stand Up Paddel Board, meinem bevorzugten Sportgerät der letzten Sommersaisonen, kann man hier Touren von 10km Länge und mehr unternehmen, zum Beispiel den Hauptarm entlang zum Deckerspitz nahe Zwettl, oder zur Mündung des Purzelkamp hinauf.
Besondere Entdeckung dieses Sommers war ein Secret-Deep-Water-Solo-Spot über dem Kamp, womit also auch meine Kletterleidenschaft Futter kriegt.
Zum untersten Stausee, dem Thurnberger, bin ich eines Sonntags, frühmorgens, im Rahmen einer Sunrise-Mountainbiketour hinaufgeradelt. Ein Unternehmen von 60km und 1150 Höhenmeter, den Kamp zweimal überquerend, erst im Kurort Gars, dann im einsamen Weiler Steinegg, und an der majestätisch über den Kampwäldern thronenden Ruine Schauenstein vorbei, einem der stillsten Plätze des Kamptals.
Der Thurnberger Stausee ist ja der kleinste der 3 Kamptalseen, er ist etwa 2,5 km lang, man kann aber mit dem SUP noch ein gutes Stück weiter kampaufwärts paddeln, bis unter die Burg Krumau. Nahe der Staumauer bietet er eine große, frei zugängige Uferwiese mit schattigen Bäumen, am anderen Ende wartet der Campingplatz Krumau mit gemütlichem Ufergasthaus und Bootsverleih.
Der ruhigste und naturbelassendste der Kamptalseen ist der Dobrastausee . Abseits von Ruine und Camping Dobra ist es gar nicht so einfach einen Zugang zu seinen Ufern zu finden. Wer es trotzdem versucht, den erwartet Natur pur, inklusive einer einsamen Waldinsel mit einer schmalen, unerwarteten Durchfahrt.
Lohnend auch, den Stausee mit dem Mountainbike zu umrunden, wir taten dies Anfang Juli entlang der →"Dobrasee Strecke". Mit der ein oder anderen Variante zur offiziellen Runde kann man noch den Asphaltanteil reduzieren und sich eine wirklich schöne Rad-Offroadtour basteln.
Abschluss wie Höhepunkt dieses Sommertages war ein atmosphärisches Konzert auf der Ruine Dobra mit Dichterlesung und mittelalterlicher Musik.
Eines ist fix: Spätestens im September raunzen wir alle wieder wie kalt es ist...











