Montag, 31. August 2026

 Teichezählen im oberen Waldviertel

Spätsommerwochenende. Öffi-Anreise. Radtour hinauf ins obere Waldviertel, dem "Wohlfühlviertel".

Von Gmünd nach Litschau, im Entschleunigungsmodus vorbei an Wasserbüffeln und Wackelsteinen,  durchs unermesslich grüne Waldmeer, uns teilweise am →"Waldviertler Wasserlandschaftsradweg" orientierend. 

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit anhalten und schauen: Hauptplatz von Gmünd, Naturpark Blockheide, die Mondteiche, Kirche in Hoheneich, Bachlandschaft in Niederschrems. Abstecher zur Waldviertler Schuhwerkstatt, weil noch Platz ist in unseren Radpacktaschen. 

Kraft tanken beim Naturwunder Steinkreis auf der Anhöhe Frühappel bei Amaliendorf. Heidelbeersträucher und moosbedeckte Granitriesen wohin das Auge reicht. 

Die Schienen der Waldbahn "Wackelsteinexpress" kreuzen. 

Die Wasserburg Heidenreichstein bestaunen.

Nach Heidenreichstein kommt es zum Worst Case Szenario eines jeden Radfahrers: Bergauf, Gegenwind und zwei Waldviertler Knödel im Bauch. Nahe Klein-Radischen (welch Ortsname!) bläst uns der aufkommende Sturm eines vorbeiziehenden Gewitterausläufers fast vom Rad. Bald ist der Spuk vorbei und wir liegen auf einer sonnenwarmen Granitplatte am Ufer eines idyllischen Fischteiches (der wievielte ist es eigentlich?).

Der krönende Tagesabschluss wird die stimmungsvolle Umrundung des Herrensees von Litschau im späten Licht der Sonne und das anschließende Verwöhnprogramm beim Dorfwirten.

Unser zweiter Tag am Rad, von Litschau nach Gmünd, führt uns über die Grenze zum tschechischen Nachbarn, in die südböhmische Teichplatte. 

In der flachen Landschaft hinter dem ehemaligen eisernen Vorhang lebt eine jahrhundertealte Teichwirtschaft mit Seen aller Größe, Flüssen und Kanälen, ausgedehnten Wäldern, Weideflächen und Mooren, heute als Unesco Biosphärenreservat geschützt.

Durch diese faszinierend gleichförmige, unendlich scheinende Waldlandschaft zu radeln grenzt fast schon an Monotonie.


Bei Neunagelberg wechseln wir kurzzeitig auf die österreichische Seite der Grenze, um das Strandbad Gmünd zu besuchen, ein blau und grün schimmernder Waldsee mit Sandstrand und Imbisshütte, wo man gute Burger bekommt.

Schwimmen mit Karpfen ist hier angesagt, und Mittags-Siesta mit Adriafeeling, bevor uns unsere Radroute zurückführt in den Böhmerwald, wo wir bald auf die wildromantischen Auwälder der Lainsitz stoßen.

Zuletzt durch Ceske Velenice, wo manch trostlose Straßenfassade an die strukturschwache Grenzregion der Ostblock Zeit erinnert, und an der Lainsitzbrücke über die grüne Grenze zurück nach Gmünd, zur stressbefreiten Heimreise mittels Franz Josefsbahn.

Übrigens waren es insgesamt 21 Teiche, an deren Ufern wir vorbeikamen. Eigentlich gar nicht so viel, schließlich wartet dort oben auch die →"Hundert Teiche Tour"...



Montag, 24. August 2026

 Waldviertelsommer

Ein Rekordsommer wie dieser, mit seinen weitreichenden Auswirkungen auf Klima und Landwirtschaft, hat mittlerweile auch starken Einfluss auf das persönliche (Freizeit)Verhalten.

Bei 40 Grad Außentemperatur macht es einfach keinen Spaß mehr, rauszugehen.

Tagelange Radausflüge, Wandern, Klettern, Outdoorsport wie früher, war diesen Sommer kaum, und wenn dann nur frühmorgens oder spätabends, zielführend.

Noch ein Glück, dass ich in Reichweite des Waldviertels lebe, dem hohen Norden Österreichs, wo kanadisch anmutende Seen und Wälder warten und die Temperaturen immer zwei, drei Grade niedriger sind als unten im Weinviertelflachland.

Allererster Sommerspot für mich ist der Ottensteiner Stausee, der größte der Kamptalseen. In seinem Zentrum, rund um Seerestaurant, Staumauer und Ruine Lichtenfels zwar schon recht touristisch, aber aufgrund seiner beindruckenden Größe noch immer genügend einsame Plätze bietend, wo auch Nacktbaden kein Problem ist. 

Mit dem Stand Up Paddel Board, meinem bevorzugten Sportgerät der letzten Sommersaisonen, kann man hier Touren von 10km Länge und mehr unternehmen, zum Beispiel den Hauptarm entlang zum Deckerspitz nahe Zwettl, oder zur Mündung des Purzelkamp hinauf.

Besondere Entdeckung dieses Sommers war ein Secret-Deep-Water-Solo-Spot über dem Kamp, womit also auch meine Kletterleidenschaft Futter kriegt.

Zum untersten Stausee, dem Thurnberger, bin ich eines Sonntags, frühmorgens,  im Rahmen einer Sunrise-Mountainbiketour hinaufgeradelt. Ein Unternehmen von 60km und 1150 Höhenmeter, den Kamp zweimal überquerend, erst im Kurort Gars, dann im einsamen Weiler Steinegg, und an der majestätisch über den Kampwäldern thronenden Ruine Schauenstein vorbei, einem der stillsten Plätze des Kamptals.

Der Thurnberger Stausee ist ja der kleinste der 3 Kamptalseen, er ist etwa 2,5 km lang, man kann aber mit dem SUP noch ein gutes Stück weiter kampaufwärts paddeln, bis unter die Burg Krumau. Nahe der Staumauer bietet er eine große, frei zugängige Uferwiese mit schattigen Bäumen, am anderen Ende wartet der Campingplatz Krumau mit gemütlichem Ufergasthaus und Bootsverleih.

Der ruhigste und naturbelassendste der Kamptalseen ist der Dobrastausee. Abseits von Ruine und Camping Dobra ist es gar nicht so einfach einen Zugang zu seinen Ufern zu finden. Wer es trotzdem versucht, den erwartet Natur pur, inklusive einer einsamen Waldinsel mit einer schmalen, unerwarteten Durchfahrt.

Lohnend auch, den Stausee mit dem Mountainbike zu umrunden, wir taten dies Anfang Juli entlang der →"Dobrasee Strecke". Mit der ein oder anderen Variante zur offiziellen Runde kann man noch den Asphaltanteil reduzieren und sich eine wirklich schöne Rad-Offroadtour basteln.

Abschluss wie Höhepunkt dieses Sommertages war ein atmosphärisches Konzert auf der Ruine Dobra mit Sagenlesung und mittelalterlicher Musik.


Wenn es mich feierabends trotz Sommerhitze noch hinauszog, verbrachte ich die Abendstunden am liebsten im schattigen Taffatal bei Horn, um mich dem Bouldersport zu widmen.

Eines ist fix: Spätestens im Oktober werden wir alle wieder raunzen, wie kalt es ist...